VERSCHNUPFTE NASEN, RÖCHELNDER HUSTEN, HALSWEH UND ABGESCHLAGENHEIT:

Erkältungen haben jetzt wieder Hochsaison. Auch andere Infekte wie „verkühlte“ Blasen und Magen-Darm-Grippe treten in Herbst und Winter häufiger auf.

Dass es uns jetzt öfter erwischt, liegt nicht an der Kälte selbst. Doch Schmuddel­wetter, zu wenig Sonnenlicht und zu wenig Bewegung im Freien, weniger Frischkost, trockene Heizungsluft und nicht zuletzt alljährliche Weihnachtshektik und Jahresend­stress im Büro – das alles strapaziert die Abwehrkräfte. Viren und Bakterien haben leichteres Spiel.

Antibiotika oft überflüssig

Noch immer erwarten viele Patienten mit akuten Erkältungsbeschwerden, dass ihr Arzt ihnen ein Antibiotikum verschreibt. Fast jeder zweite Arzt kommt diesem Wunsch nach – obwohl Antibiotika nichts gegen normale Erkältungen ausrichten, da diese überwiegend von Viren verursacht werden.

Antibiotika dagegen bekämpfen ausschließlich Bakterien. Bei einem grippalen Infekt ist ihr Einsatz nur dann sinnvoll, wenn Bakterien im viren­geschwächten Organismus zusätzlich eine sogenannte Sekundärinfektion auslösen. Doch auch nicht jede bakterielle Infektion muss gleich mit Antibiotika behandelt werden.

Keine Frage: Antibiotika retten Menschenleben.
In manchen Fällen sind sie schlicht unverzichtbar. Sie haben jedoch zwei wesentliche Nachteile: Sie zerstören nicht nur die krankmachenden Keime, sondern auch die symbiotischen Darmbakterien. Dazu entwickeln immer mehr Keime Resistenzen.
In Europa sterben jährlich bereits 25.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr anschlagen. Grund dafür ist, dass Antibiotika in der Humanmedizin und der Tierzucht zu oft und zu leichtfertig eingesetzt werden.

Pflanzenstoffe – kombinierte Abwehr

Nicht zuletzt, damit Antibiotika eine wirksame Waffe gegen schwere bakterielle Infektionen bleiben, raten inzwischen auch Experten bei leichten und komplikationsfreien Infekten zu natürlichen Alternativen.

Unschädlich für die Darmbakterien

Pflanzliche Mittel wirken in der Regel nicht so schnell und nicht so stark wie chemisch-pharmazeutische Medikamente – dafür punkten sie vor allem mit ihrer im Allgemeinen besseren Verträglichkeit und weniger Nebenwirkungen. Weil sie bereits in den oberen Darm­abschnitten ins Blut aufgenommen werden, schaden sie auch den Bakterien im menschlichen Dickdarm nicht.

Die Kombi macht’s

Ein weiterer Vorteil: Während Medikamente meist nur einen oder wenige Wirkstoffe enthalten, setzen Pflanzen gleich einen ganzen Cocktail natürlicher Substanzen ein. Im Lauf ihrer Evolution haben Pflanzen zahlreiche und unterschiedlich wirkende “Kampfstoffe” gegen Schädlinge und Krankheitserreger entwickelt. Diese komplexe Abwehr aus ätherischen Ölen, Bitter-, Gerb-, Farb- und Schleimstoffen ist für schädliche Keime wesentlich schwerer zu knacken.

Einige dieser Pflanzenstoffe stellen wir Ihnen heute etwas näher vor.

Bei Schnupfen ein wenig Minzöl unter die Nase getupft oder inhaliert – gleich atmet es sich spürbar leichter. Eukalyptus und Thymian können Schleim aus den Atemwegen lösen und so festsitzenden Husten lindern. Ätherische Öle werden besonders gerne bei Atemwegserkrankungen eingesetzt, weil sie leicht flüchtig sind und schon bei relativ niedrigen Temperaturen verdunsten. Ihre Inhaltsstoffe verbreiten sich in der Luft und geraten mit der Atemluft direkt in die Atemwege.

Die angenehm riechenden Öle sind Stoffgemische, die sich aus bis zu Hunderten verschiedenen Molekülen zusammensetzen. Pflanzen dienen sie dazu, Insekten anzulocken oder Schädlinge abzuwehren. Jede Pflanzenart produziert ihr eigenes ätherisches Öl.

Zahlreiche Studien belegen, dass ätherische Öle das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren hemmen können. Während sich etwa der im Jahr 2006 zur “Arzneipflanze des Jahres” gekürte Thymian großer Bekanntheit erfreut und in zahlreichen Zubereitungen erhältlich ist, kennen viele seinen Verwandten Oregano lediglich als Pizzagewürz. Dabei stellte schon 2001 eine Studie fest, dass Oregano-Öl es mit mehreren Antibiotika aufnehmen kann. Eine vernichtende Wirkung zeigte es dabei sogar gegenüber MRSA-Staphylokokken, also bereits antibiotikaresistenten Bakterienstämmen.

Beachten Sie bei einer Selbstanwendung, dass ätherische Öle (schleim-)hautreizend sind und nur verdünnt eingesetzt werden sollten. Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen vor allem kampfer- und mentholhaltige Öle nicht im Bereich von Mund und Nase angewendet werden.